


Können Kondome wirklich nachhaltig sein? – Was du bei Materialien, Herkunft und Entsorgung beachten solltest
Kondome schützen vor ungewollten Schwangerschaften und verhindern demnach die Existenz eines weiteren Menschen, was man heute leider auch als Ressourcenschonend beschreiben könnte. Von diesem Aspekt aus sind Kondome per se schon einmal eine gute Wahl, oder? 😋 Spaß beiseite: Denn natürlich gibt es auch beim Thema Verhütung / Schutz vor STIs (Sexually Transmitted Infections) Ausführungen und Varianten, die unsere Umwelt weniger belasten als andere. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und was du bei Kauf und Entsorgung beachten solltest, haben wir hier für dich zusammengefasst.
Inhaltsstoffe und Herkunft ?
Kondome bestehen in der Regel aus Naturkautschuk, der aus dem Latexsaft des Kautschukbaums gewonnen wird. Der botanische Name unserer Naturkautschuk-Bäume ist Hevea Brasiliensis und sie wachsen nur in bestimmten tropischen Regionen dieser Erde. FAIR SQUARED bezieht den Gummi für seine Kondome beispielsweise aus Indien oder Thailand. Hier stehen für uns vor allem die Anbaubedingungen und Verarbeitung im Vordergrund: Nicht selten steht der Anbau von Naturkautschuk mit Menschenrechtsverletzungen und Abholzungen in Verbindung. Lange Zeit gab es keine Möglichkeit zur Zertifizierung des Rohstoffes, um sozial und ökologisch faire Anbaubedingungen zu garantieren.
Mit der Gründung des Fair Rubber e.V. (www.fairrubber.org) in 2012, an der FAIR SQUARED mit beteiligt war, wurde das bekannte und erprobte Zertifizierungsschema von Fair Trade Teeplantagen auf Plantagen für Naturkautschuk übertragen. Sie sichern so vielen Latexzapfer*innen und Ihren Familien faire Bezahlung und verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen dank der Fair-Rubber-Prämie.
Verpackung – alles Plastik?
Wie Kondome verpackt sein müssen, ist in Europa gesetzlich festgelegt. Klassifiziert als Medizinprodukt der Klasse IIb, muss sichergestellt sein, dass Verunreinigungen vermieden werden und die Kondome luftdicht verpackt sind, damit sie 5 Jahre haltbar sind. Ebenso darf kein Kondom ohne Anwendungsbeschreibung verkauft werden. In der Regel ergeben sich daraus zwei Verpackungen. Zum einen die Umverpackung aus Pappe mit den entsprechenden Produktinformationen, zum anderen die Kondomfolie, die sich meistens aus drei Folienschichten (Kunststoff-Aluminium-Kunststoff) zusammensetzt. FAIR SQUARED hat nun eine neue Folie im Einsatz, die eine Plastikfolienschicht durch eine Papierfolie ersetzt hat. Damit besteht eine der drei Folienschichten aus Papier statt aus Kunststoff. Außerdem lassen sich die Pappverpackungen über die Papiersammlung entsorgen, da auf synthetische Farben und Glanzdrucke verzichtet wird. Wer noch mehr Pappe sparen möchte, hat bei FAIR SQUARED sogar die Möglichkeit, Kondome in 50er oder 100er Packungen aus Karton zu erwerben. 💚
Entsorgung – bloß nicht auf den Kompost!
Wie wir nun gelernt haben, bestehen Kondome aus Naturkautschuk-Latex. Naturgummi baut sich je nach Umweltbedingungen (UV-Einstrahlung oder Organismen im Boden) mit der Zeit ab. Doch die meisten Verhüterlis weltweit sind zusätzlich mit Silikon-Öl als Gleitmittel beschichtet, um das Einführen angenehmer zu gestalten. Für diese sogenannten feuchten Kondome gibt es aktuell keine natürliche Alternative. Warum? Würde man Kondome mit einem Gleitmittel auf Wasserbasis beschichten, würde das Gleitmittel nach kurzer Zeit (rund 6 Monate) aus der Folie weitestgehend diffundieren. Als echte Alternative hat FAIR SQUARED sich auch hier etwas einfallen lassen: ein trockenes Kondom mit Maispuder-Beschichtung! Diese Kondome kommen ohne Silikonöl aus und die Anwendenden können individuell entscheiden, welches und wie viel Gleitmittel verwendet werden soll. 💪 Für die Verbundfolien, in denen die Kondome verpackt sind, gibt es derzeit keine Alternative, die die gesetzlich geforderte Dichtigkeit und Haltbarkeit erreicht.
Kommen wir nun zu einem ziemlich wichtigen Punkt: In welchen Müll packe ich mein benutztes Kondom? Bei befeuchteten Kondomen ist die Antwort glasklar – Restmüll! Denn das enthaltene Silikon-Öl kann nicht abgebaut oder recycelt werden. Der Naturkautschuk ist zwar biologisch abbaubar, aber eher nicht kompostierbar. Zur Begriffserklärung: Biologisch abbaubar bedeutet, dass das Material von Mikroorganismen zersetzt werden kann. Kompostierbar hingegen bedeutet, dass ein Material dazu geeignet ist, Kompost herzustellen. Verhüterli sind dazu nicht geeignet! Denn benutzte Kondome können Tiere anziehen und diesen bei Verzehr schaden. Und das wollen wir alle nicht, oder? Wenn du die FAIR SQUARED Sensitive Dry benutzt ohne zusätzliches Gleitmittel oder eines, das sicher biologisch abbaubar ist, hast du zwar abbaubare Materialien, „jedoch ist die Dauer bis zur vollständigen Zersetzung zu lange, um den Anforderungen an Biomüll gerecht zu werden, ähnlich wie bei Müllbeuteln aus Maisstärke“, teilte uns die AWB Köln mit. Daher auch hier: ab in die Restmülltonne. Damit tut ihr der Umwelt den größten Gefallen. 🙏 Und wer auch sonst Tier- und Umwelt einen Gefallen tun möchte, achtet ebenso bei Kondomen auf die Vegan-Zertifizierung. Denn manche Produzierende nutzen Kasein bei der Herstellung, ein tierisches Milchprotein. Die FAIR SQUARED Kondome tragen das Siegel der Vegan Society (www.vegansociety.com) und werden nicht an Tieren getestet.
Also noch einmal zusammengefasst – Können Kondome wirklich nachhaltig sein? Ja sie können! Achtet beim Kauf auf fair gehandelten Naturkautschuk (www.fairrubber.org), Vegan-Siegel, recycelbare Papier-Verpackungen und entsorgt richtig, dann steht dem achtsamen Liebesspiel nichts im Wege! Und jetzt habt viel Spaß bei der schönsten Sache der Welt. 😘
Oliver Gothe, 28. Januar 2021